Wahre Männlichkeit ist anders

am

Josef wusste, dass wenn es im Leben etwas gibt, für das man kämpfen sollte, dann ist das die Liebe, auch wenn sie eine radikale Änderung des Lebens verlangt. Eine Entscheidung voll von Risiko, eine Entscheidung für das Ungewisse, eine Familie zu gründen, die anders sein wird, als er wollte, verlangt von ihm alltägliche Tapferkeit und Mut – keine spektakulären Taten, sondern die alltägliche Mühe, Ehemann und Vater zu sein.

Stellen wir uns die von Matthäus dargestellt Situation vor:

„Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus“ (Mt 1,18-25)

Das junge Ehepaar, Josef und Maria, bereitet sich langsam auf die zweite Stufe ihrer Ehe vor: den Umzug der Ehefrau zu ihrem Mann. Versuchen wir, diese Idylle zu durchbrechen. Denn genau davon spricht der Text bei Matthäus.

Wenn alles nach jüdischen Brauch verlief (und nichts deutet an, dass es nicht so gewesen ist), dann waren das junge Ehepaar nicht älter als 20 Jahre alt. Wie jung wir uns Maria auch immer vorstellen, so passt der jugendliche Josef irgendwie nicht in unser Bild, das wir uns von Kindesbeinen an vorstellen.

Josef erfährt plötzlich, dass seine junge Ehefrau schwanger ist. Und Josef weiß, dass das Kind nicht von ihm ist. Wie hat er es erfahren? Er musste sicherlich gesehen haben, dass Maria schwanger ist. Denken wir an diese junge Ehefrau, die wenige Monate zuvor auf für Menschenverstand unerklärliche Weise schwanger geworden ist: Wie sollte sie dies ihrem Mann erklären? Dass Gabriel zu ihr gekommen ist? Ein erster Versuch Mariens war es zu schweigen und abzuwarten, was Gott daraus macht. Und wie Josef darauf reagiert.

Und der junge Ehemann hat die natürlichsten Gedanken: Wenn sie schwanger ist, dann muss sie sich mit einem anderen Mann treffen. Sie muss fremdgegangen sein. Die Strafe dafür ist der Tod – die Steinigung. Josef möchte das nicht zulassen und er entscheidet sich: Wenn sie einen anderen Mann liebt, entferne ich mich. Die Leute können reden, dass es mein Kind ist und ich es zurückgelassen habe. Die Schuld fällt auf mich. Dann schläft er ein. Er liebt Maria aber und ist traurig, dass sie nicht mehr seine Frau sein würde. Doch anders geht es nicht…

Und dann schickt Gott einen Engel. Das, was Er ihm zu sagen hat, ist noch schwerer zu verstehen als die Entscheidung des Josef. Seine Frau habe ihn nicht verraten und das Kind kommt vom Heiligen Geist (Was hat Josef davon verstanden? Etwa mehr als wir selbst?). Er solle Maria jedenfalls nicht zurücklassen, sie brauche ihn und ist seine Ehefrau; er solle keine Angst haben und mit ihr wohnen, soll dem Sohn einen Namen geben, den Namen Jesus, denn Er wird uns erlösen, die Menschen vor der Sünde retten.

Das ist etwas zu viel für einen verliebten Jugendlichen.

Was braucht Josef hier? Eine Tugend, die heute in die hinterste Ecke verbannt wurde und auch in frommen Kreisen nicht häufig genannt wird: Mut.

Warum Mut? Denn die Liebe zu der Frau hat sich als eine andere erwiesen als er erwartet hatte – sie verlangt viel mehr, unterscheidet sich von seinen Vorstellungen und ist somit fremd und schwer. Das Kind, auf das er gewartet hat, ist anders, als er dachte. Es hat ihn zwar nicht enttäuscht, aber es sollte doch anders sein…

Doch Josef spürt instinktiv, dass wenn es im Leben etwas gibt, das es wert ist, das Leben lang zu folgen, dann ist es die Liebe, auch wenn sie radikale Veränderung verlangt. Ohne den Mut und die Tapferkeit des Josef gäbe es das Bethlehem, so wie wir es kennen, nicht. Gott wäre sicherlich klargekommen, doch um wie viel ärmer wären wir ohne den Menschen, der wusste, was er wollte und wer vieles opferte, um es zu erreichen.

Josef sagt im ganzen Evangelium kein einziges Wort. Aber vielleicht können wir ja ein kleinwenig von seinem Alltag in Nazareth an Jesu Beziehung zu Frauen erkennen: Er begegnet ihnen mit Respekt und Ehre. Von wem hat Er es gelernt, wenn nicht von Seinem erwählten Vater und dem, wie er mit seiner Frau und seinen Nächsten umging. Der gerechte Mann, Josef, war für Jesus ein wahrer Vater – nicht im biologischen Sinne, aber er formte Seine Menschlichkeit.

Autor: Szymon Hyżycki OSB
Dieser Beitrag wurde uns freundlicherweise vom Portal Stacja7.pl zur Verfügung gestellt. Zum Original

Folge uns auf facebook

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s