Starker Glaube in gottloser Umgebung

Als ich zuletzt aus meinem Studentenzimmer ausgezogen bin und der Hausverwalter mein Zimmer kontrollierte, war alles ok. Nur eine Kleinigkeit ist ihm aufgefallen: „Nehmen Sie bitte noch das Kreuz ab“. Es hang über meinem Bett, so selbstverständlich, dass es für mich wie ein Teil des Mobiliars war. Das habe ich ihm dann auch mit einem Lächeln gesagt. „Nicht für jeden ist es selbstverständlich“, war seine Antwort und es folgte ein kurzes Gespräch eines lebenserfahrenen, älteren Herren mit einer Studentin, die noch am selben Tag des Auszuges an ihren nächsten Studienort zog:

An eine katholische Universität im Ausland. Es war eine Ironie des Schicksals. Noch am letzten Tag vor der Ausreise wurde ich mit einer Frage konfrontiert, die mir in meinem von Atheisten dominierten Studienort immer wieder begegnete und so war die Freude über eine „Auszeit“ von diesen Fragen, die mir die neue Studienumgebung an der katholischen Uni bieten würde, umso größer.

Am neuen Ort angekommen, konnte ich den Kontrast sofort erkennen: Das Kreuz brauchte ich gar nicht auspacken, denn es hang bereits eins in meinem Zimmer, in jedem Klassenraum, in der Mensa und auch in der Aula. Dazu eine wunderschöne Kapelle im Unigebäude, in der täglich heilige Messen stattfinden. Tolle, offene und humorvolle Menschen, tolle Dozenten und eine wunderbare Lern- und Lebensumgebung. Ein Traum.

In der Küche traf ich eine Studentin, die von ihrem Leben erzählte: Von ihren gläubigen Eltern, ihrer katholischen Grundschule, den Gemeinschaften, zu denen sie von Kind an gehört, vom katholischen Gymnasium und nun von ihrem Doppelstudium an der katholischen Uni. Dann war ich an der Reihe. Ganz begeistert erzählte ich ihr davon, wie froh ich bin, hier ein wenig Auszeit zu haben von den vielen Fragen danach, wieso ich ein Kreuz trage, warum Gott Böses zulässt usw. „Über diese Fragen habe ich mir noch nie Gedanken gemacht!“, lautet ihre Antwort. In was für unterschiedlichen Realitäten wir doch leben!

Sind wir Katholiken in der Umgebung von Ungläubigen wirklich so arm dran, wie wir manchmal denken? Ist es nicht vielmehr eine Gnade, dort Zeugnis geben zu dürfen, wo die Menschen Gott nicht kennen oder noch mehr: nicht kennen wollen? Es ist nicht nur ein Zeugnis für unser Gegenüber, aber vor allem auch für uns selbst: Wie sehr kenne ich meinen Glauben eigentlich? Wie stark bin ich, wenn jemand Gott verlacht oder Ihm Vorwürfe macht?

Wie tief bin ich in meinem Glauben verwurzelt, dass mich ein leichter Windstoß nicht gleich zu Fall bringt; eine gute Frage nicht gleich an Gott zweifeln lässt?
Ich glaube, dass wenn wir im Herzen erkennen, dass Gott die Liebe ist, dann kann kein Argument, sei es noch so gut begründet, uns von unserem Glauben abbringen. Die tiefe Erfahrung und Überzeugung Seiner Liebe wird uns dazu zwingen, durch solche Fragen nicht in Zweifel zu geraten. Mehr noch: Sie wird uns dazu drängen, uns stärker mit unserem Glauben auseinanderzusetzen, um Das, was wir am meisten lieben, von Herzen vor jedem Angriff zu bewahren. Ich freue mich auch wieder auf die Zeit, in der ich aufs Neue mit Fragen nach Gott und dem Glauben konfrontiert werde. Ich freue mich, dass mein eigener Glaube immer wieder geprüft wird. Ich bin dankbar für alle Menschen, denen ich begegne, denn sie halten mir ein Spiegel vors Gesicht, der mich in mein Herz blicken lässt. Der Glaube in meiner alten Umgebung mag herausfordernder sein, aber dafür kann er umso größer sein und umso stärker auf andere wirken. Ich weiß, dass ich ohne die Kraft des Glaubens nicht viel wirken kann und glaube, dass das Gebet die Grundlage jeden Wirkens ist.
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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Grossartig! Glückwunsch zur Entdeckung Ihres persönlichen Paradieses! Bleiben Sie dort! Am besten für immer! Das habe ich auch gemacht und mache es immer noch; dort sein, wo ich am glücklichsten bin. (Ist allerdings nicht unbedingt an einem Ort gebunden)

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